Hochjoch im Nebel/Herzsee

Hochjoch-Montanfon-Vorarlberg

Der Traum vom Durchblick

Nebel, Nebel, nichts als Nebel. Damit müssen wir im Spätsommer in den Bergen rechnen. Fragende Blicke im Tal. Was tun? Thomas meint: „Die Wolkendecke reißt gleich auf, die Sonne hat noch Kraft.“ Also packen wir unser Püngel und ziehen los. Mit der Hochjochbahn durch den Nebel zur Bergstation Kapellalpe und weiter durch den Nebel, mit dem Sennilift, auf den Sennigrat. Bei Skifahrern gefürchtet, die Piste ist steil und buckelig, aus unserer Perspektive sieht der Hang, sofern man ihn erkennen kann, unschuldig aus.

Auf dem Sessellift ist es ungemütlich, die Feuchtigkeit kriecht unter unsere Klamotten bis auf die Haut, Merlin kauert zwischen uns, die Fahrt nimmt kein Ende.

Sennigrad-Sesselliftfahrt im Nebel

Endlich auf 2294 m angekommen sehen wir nichts. Wir sehen nicht wo wir her kamen, wir sehen nicht wo wir hin wollen, wir sehen keine umliegenden Bergspitzen, rein gar nichts sehen wir. Unser heutiges Programm sieht einen Besuch der Wormser Hütte vor, allerdings erst nach der eigentlichen Wanderung, nicht anstatt, scheiß egal, ich brauch jetzt etwas Warmes. Wir tappen also los, durch den Nebel, in die Richtung in der wir die Hütte vermuten.

Wormser Hütte

Wormserhütte im Nebel

Mindestens ein Besuch der Wormser Hütte, bei einem Aufenthalt im Montanfon, ist obligatorisch. Wir kommen extra für den selbstgemachten Apfelstrudel, das Rezept ist himmlisch. Die Hüttenwirte wechseln, das Rezept bleibt. Schon beim Eintritt in die Hütte steigt mir der Duft von frisch gebackenem Apfelstrudel in die Nase, und tatsächlich findet ein als Ring gebackener Strudel gerade den Weg aus dem warmen Ofen, auf den Tresen, wo er sogleich seine ersten Abnehmer findet.

Der Hüttenwirt hat Erbarmen mit uns Wanderern und gibt zu jedem Teller Strudel noch einen Kurzen aus, der macht das Wetter gleich viel erträglicher. Sehe ich in der Ferne etwa schon die ersten Bergspitzen durch den Nebel blinzeln?

Hochjoch im Nebel
Hochjoch im Nebel/Blümchen am Herzsee
Hochjoch im Nebel/Herzsee

Der Nebel hält. Froh darüber unseren Apfelstrudel in diesem Urlaub gegessen zu haben, treten wir den Rückzug an, steigen zum Herzsee hinab, machen einen Bogen um den knapp 500 Meter langen Skitunnel aus grauem Beton, eine Abkürzung, und wandern stattdessen den längeren, beschaulicheren Steig außen herum. Wir haben zwar kaum Sicht, aber Zeit. Den Weg, durch den Nebel zur Kapellalpe, finden wir dennoch mit traumwandlerischer Sicherheit. Von hier aus gondeln wir hinunter ins Tal. Der Traum vom Durchblick sollte heute ein Traum bleiben.

Hochjoch im Nebel

Für den Rest des Tages machen wir’s uns in unserer Ferienwohnung am Kamin kuschelig und stellen fest: Der Herbst kommt in den Alpen früher.

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