Wildblumenwiese in der Teuschnitz-Aue

Naturweg Teuschnitz-Aue in Bayern – oder wie mein Wanderstein ein traumhaftes Plätzchen fand

Die Überraschung

Ein paar Tage vor Heiligabend. Es läutet an der Haustür. Ich öffne und der Postbote reicht mir einen großen Umschlag, den er nicht in den Briefkastenschlitz quetschen wollte.

Was rutsch denn da im Umschlag herum? Neugierig, lasse ich mich gleich an Ort und Stelle im Schneidersitz nieder und reiße hektisch den Umschlag kaputt. Da purzelt mir ein ovaler, grauer, flacher Stein, mit weißer Aufschrift entgegen:

„Finden, freuen, neu auslegen

& Foto machen

#Wandermagazin“

Auf der anderen Seite entdecke ich noch ein kleines Kunstwerk mit rotem Zelt und blauen Tannen. Die beigelegte handgeschriebene Gebrauchsanweisung lüftet das Geheimnis; ich halte einen Wanderstein in meiner Hand. Mein Weihnachtsgeschenk vom Wandermagazin, für die ich von Zeit zu Zeit Tourentipps verfasse. Der Stein soll bei der nächsten Wanderung auffindbar ausgelegt, der Ablageort fotografiert und das aussagekräftige Bild auf den sozialen Medien hochgeladen werden.

Wanderstein auf Bank ausgelegt

Wer hat sich die Wandersteine ausgedacht?

Den Ursprung der Wandersteine konnte ich bis nach Amerika ins Jahr 2017 verfolgen; also wieder mal ein neuer Trend aus Amerika, wie so oft. Egal, jetzt sind die „painted rocks“ bei uns in Deutschland angekommen, und prompt in unterschiedlichen Regionen gleichzeitig aufgeploppt. Im Norden als Küstensteine und weiter südlich als Wandersteine. Hier hat Karin Löschenbrand aus Niederbayern den (Wander)stein ins Rollen gebracht.

"Der Gedanke, Steine anzumalen, sie überall zu verteilen und andere zum Lächeln zu bringen und dabei auch noch Spaß zu haben, hat mich nicht mehr losgelassen."   (Karin Löschenbrand)

Auf Karins Blog findest du Gebrauchsanweisungen über den Umgang mit selbstgestalteten oder gefundenen Wandersteinen sowie Tipps für eine umweltfreundliche Bemalung. Deiner Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Auf einer Seite ein handgemaltes Unikat, auf der anderen der Adressat und eine kleine Gebrauchsanweisung, fertig ist dein Wanderstein.

Was mache ich jetzt mit einem Wanderstein?

Wandersteine auslegen ist als kleines Versteckspiel gedacht. Hast du einen solchen Stein auf deiner Wanderung gefunden, mache ein Foto, lade es auf den sozialen Medien hoch (schicke es an den Ausleger; auf der Rückseite solltest du seine Adresse finden), trage ihn ein Stückchen weiter, oder stecke den Stein ein und leg ihn bei deiner nächsten Wanderung gut sichtbar wieder aus; er soll ja gefunden werden, damit das kleine Spiel weitergehen kann. Auf diese Art wird der Stein zum „reisenden Stein“ und überwindet hoffentlich auch weite Strecken.

Das Ziel der Wandersteine ist es, unser aller Leben ein bisschen bunter zu machen. 

Das Thema war noch nie so aktuell wie in Zeiten von Corona.

Doch auch dieses harmlos erscheinende kleine Spiel hat seine Tücken. In Nationalparks zum Beispiel, wo besonderer Wert auf ein naturbelassenes Umfeld gelegt wird; und wir Wanderer angehalten sind, möglichst keine Spuren zu hinterlassen, ist das Auslegen von bunten Steinen eher nicht angebracht.

Der Naturweg Teuschnitz-Aue im Naturpark Frankenwald

Wegweiser zu den Arnikawiesen

 

Rundweg „Naturweg Teuschnitz-Aue“  
Start/Ziel: Parkplatz
w3w: beifahrer.lagerhaus.heutigem
Schwierigkeit: leicht
Barrierefrei: nicht durchgängig
www.frankenwald-tourismus.de
Länge: 4 km
Dauer: 1,5 Stunden
Höhendifferenz:  alles eben   Hunde: an der Leine erlaubt

Auf der Suche nach einem geeigneten Plätzchen trage ich meinen Wanderstein nun schon seit Weihnachten mit mir rum. Es sollte ein besonders schöner Ort sein, an dem ich meinen Wanderstein aussetze. Während unseres Roadtrips mit dem Womo quer durch Deutschland habe ich so ein Plätzchen gefunden.

Spazierweg in der Teuschnitz-Aue
Unser Spazierweg durch die Teuschnitz-Aue
Das Highlight des Naturwegs Teuschnitz-Aue im Naturpark Frankenwald in Bayern soll die Arnikablüte von Mitte Juni bis Mitte Juli sein. Der Kalender zeigt den 9. Juni. Voller Erwartung und mit Fotoapparat und Videokamera bewaffnet gehen wir den kurzen, bloß 4 km langen, Rundweg vom Parkplatz aus gegen den Uhrzeigersinn. Unsere Blicke immer auf die verschwenderisch blühenden Wildblumenwiesen, mit ihren herrlich duftenden Wildkräutern, gerichtet. Über uns zieht ein Milan seine Kreise.
Milan fliegt am Himmel
Und über uns schwebt ein Milan
„Dies ist ein wunderschönes Plätzchen für meinen Wanderstein“, schießt es mir durch den Kopf. Kurzerhand platziere ich meinen Stein auf der Ecke einer Bank. Hier hat er einen großartigen Blick über die sich vor ihm ausbreitende Wildblumenwiese und wird sicherlich auch schnell gefunden. Trotz des schönen Plätzchens verlasse ich meinen lieb gewonnenen Stein nur ungern.
Arnika aufgeblüht mit zwei Knospen
Einzige Arnikablüte Weit und Breit
Wir haben die kleine Runde bereits zu Dreiviertel hinter uns gebracht, als wir die erste und einzige aufgegangene Arnikablüte auf dem Naturweg entdecken. Diese wird natürlich von allen Seiten befilmt und fotografiert. Dennoch schade, dass wir wohl ein paar Tage zu früh unterwegs sind und somit nicht in den Genuss der erhofften großflächigen Arnikablüte kommen. Auch von meinem Wanderstein habe ich bis heute, knapp drei Monate später, nichts mehr gehört. Schnief.

Wildblumenwiese in der Teuschnitz-Aue
Wunderschöne Wildblumenwiese in der Teuschnitz-Aue in Bayern

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